Wer guckt in den Mond?

Astroluege und ihre Risikogruppen Die Neigung, überirdische Mächte und Kräfte für das eigene Schicksal verantwortlich zu machen, ist nicht gleichmäßig verteilt. Alter, Lebenssituation, Umfeld und psychologische Konstitution spielen eine entscheidende Rolle und können das Risiko einer sogenannten „Astro-Sucht“ bergen.

Aberglaube als Trend

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit wächst der Aberglaube. Dieser Zusammenhang ist seit langem allgemein bekannt und bestätigt sich gerade wieder in Deutschland. Während die Arbeitslosenzahlen Jahr um Jahr gestiegen sind, boomte auch die Esoterik-Branche wie nie zuvor. Spirituelles Denken liegt im Trend. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ist jeder zehnte Deutsche überzeugt, dass Mond, Sterne und Planeten sein Leben beeinflussen. Der Handel mit Horoskopen und anderen Esoterika boomt und damit sinkt ganz generell die Scheu vor pseudowissenschaftlichen Behauptungen, die vor Jahren im Allgemeinen als „Hokuspokus“ bezeichnet wurden.

Frauen zwischen dreißig und fünfzig

Frauen in der Lebensmitte sind die besten Kundinnen der Esoterik-Branche und bilden auch bei Anbietern wie Astro-TV die große Mehrheit der AnruferInnen. Die skandalösesten Fälle, bei denen mehrere tausend Euro an den Marktführer oder andere Anbieter gingen, waren fast ausnahmslos Frauen dieser Altersgruppe. Weiterhin gehören eher Frauen aus den südlicheren Regionen des deutschsprachigen Raumes zum klassischen Kundenstamm. Die meisten Anbieter der „alternativen Lebensberatung“ finden sich dementsprechend auch in Bayern, Österreich und der Schweiz. Soziologen vermuten, dass es vor allem die betont emotionale Ansprache der Berater ist, mit denen dieses Klientel gewonnen wird.

Menschen mit Entscheidungsschwäche

Sich in schwierigen Situationen zu entscheiden, gehört zu den großen Herausforderungen, vor denen jeder ab und an steht. Allerdings gibt es auch eine psychische Disposition, die es manchen Menschen enorm schwer macht, solche Entscheidungen zu treffen. Im grüblerischen Hin- und Herwägen zwischen all den Wenns und Abers greift so mancher zu esoterischen Mitteln wie einer Horoskop-Befragung oder den Tarot-Karten. In Zeiten der Finanzkrise gaben sogar Broker offen zu, dass sie für ihre Entscheidungen an der Börse den Rat von Astrologen suchten.

Wer sein Entscheidungsverhalten dauerhaft vom Sternendeuter oder Kartenleser abhängig macht, geht jedoch ein großes Risiko ein: Die vermeintlich rationale Abhängigkeit kann schnell zur emotionalen werden. Die Verantwortung für das eigene Tun geht nach und nach auf die „Wahrsager“ über, die eigene Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt. Beste Voraussetzungen, um eine Astro-Sucht zu entwickeln und nicht nur viel Geld sondern auch die eigene Selbständigkeit zu verlieren. Tipps für Entscheidungsschwache

Menschen, die an sich selbst eine Entscheidungsschwäche feststellen, haben noch andere Möglichkeiten als den Wahrsager bei Astro-TV. Entscheidungsfindung ist eine Fähigkeit, die viele nur deshalb nicht besitzen, weil ihnen die entsprechende Lernerfahrung bisher fehlte, etwa Vorbilder in der eigenen Familie oder Lebensumstände, die solche Entscheidungen herausfordern. Versäumte Lernprozesse können aber nachgeholt werden. Es gibt Coachings und Seminare, die den Prozess der Entscheidungsfindung trainieren.

Anstelle einer Konsultation bei einem Kartenleger kann man sich auch Literatur kaufen, die wertvolle Tipps und Techniken zur Entscheidungsfindung vermittelt. Das ist billiger und vermutlich nachhaltiger als die Astroberatung.
Unser Buchtipp:
Besser entscheiden von Jochen Albert

Konfliktvermeider

Im Zeitalter von Fernsehen und Internet wird es immer leichter, dem persönlichen Kontakt aus dem Weg zu gehen. Menschen, die ein schwaches Konfliktverhalten haben, scheuen generell persönliche Begegnungen. Hemmungen, Nervosität, Selbstzweifel lassen sich einer fremden Stimme am Telefon gegenüber viel besser unter Kontrolle halten als bei der Begegnung mit einem psychologischen Berater. Allerdings tragen soziale Einrichtungen diesem Umstand seit Jahren Rechnung. Wer also die Nummer einer Astrohotline wählt, sollte sich die Frage stellen, warum es nicht die Nummer einer Beratungsstelle oder eines anonymen Seelsorgetelefons sein kann.

Isolation und Einsamkeit

Ein weiterer Faktor, der zum Hörer von Astro-TV oder eines anderen „alternativen Lebensberaters“ treibt, sind isolierte Lebenssituationen. Hier soll „der gute Onkel im Fernsehen“ den Mangel an Bezugspersonen ersetzen. Ein Bedürfnis, auf das die „liebevollen“ Berater einen Großteil ihrer Strategie setzen. Sie wenden sich aus dem Fernsehen heraus einem unbekannten Menschen mit einer Herzlichkeit zu, als würden sie denjenigen schon seit langem kennen. Gekonnt wird ein privates, intimes Verhältnis vorgetäuscht, das jedoch in keiner Weise erarbeitet werden muss. Im schlimmsten Fall verstärkt das die wahre Isolation des Ratsuchenden, da er kaum noch Energie darauf verwendet, echte Bezugspersonen zu suchen.

Psychisch labile Menschen

Menschen mit ernsten klinischen Störungen wie einer Depression oder Schizophrenie sind besonders gefährdet, sich dem Aberglauben hinzugeben. Und sie tragen das höchste Risiko, eine „Astrosucht“ zu entwickeln und sich damit finanziell und psychisch zu ruinieren. Die Techniken der alternativen Lebensberatung wirken auf sie besonders verheerend. Wahrsager leben davon, Versprechungen zu machen, an die ihre Klienten glauben können. Bei einem Menschen in Not kann eine Aussage wie „in zehn Jahren wird alles wieder gut sein“ den seelischen Schmerz vielleicht für eine Weile lindern, ein therapeutisch wirksamer Prozess wird dabei aber sicherlich nicht in Gang gesetzt. Kranke Menschen beginnen häufig, immer wieder nach vergleichbaren Aussagen zu suchen, an die sie ihre Hoffnung klammern können. Mit der zuverlässigen Lieferung solcher „Strohhalm-Aussagen“ haben Firmen wie Questico an Einzelfällen Zigtausende Euro verdient. In jenem spektakulären Fall, bei dem eine Mittdreißigerin innerhalb von sechs Monaten 38.000 Euro ausgegeben hat, handelte es sich um eine Frau mit einer klinischen Depression, die dringend behandlungsbedürftig war. Sie telefonierte mit insgesamt 60 Beratern von Astro-TV. Nur drei von ihnen erkannten die psychologische Notlage, aber auch die leiteten daraus keine handfesten Konsequenzen ab.
Fallbericht: In sechs Monaten 38.000 Euro vertelefoniert.

Menschen in akuten Lebenskrisen

Auch wer eher von stabiler Grundkonstellation ist, kann in Krisensituationen geraten, in denen er nicht mehr ein und aus weiß und sich Rat von allen Seiten holt. Ein weiterer spektakulärer Fall, bei dem immerhin um die zehntausend Euro auf das Konto einer Wahrsagerfirma gingen, wurde durch eine plötzliche Trennung ausgelöst. Besonders perfide allerdings ist das „Channeling“ für Menschen, die einen Menschen, im schlimmsten Fall gar ein eigenes Kind verloren haben. An der Behauptung, Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen zu können, verdienen sogenannte „Medien“ eine Menge Geld. Dabei genügt doch oft schon ein einziger kritischer Blick, um zu erkennen, dass es sich hier um reine Scharlatanerie handelt. Auf youtube findet sich dazu ein eindrückliches Beispiel. Man muss schon sehr verzweifelt sein, um diesem „Erzengel Michael“ Glauben schenken zu können.

Links zum Thema Web-Sicherheit

  • Link zur Webseite von www.buerger-cert.de

    Das Bürger-CERT informiert und warnt Bürger schnell und kompetent vor Viren, Würmern und Sicherheitslücken in Computer- anwendungen.

  • Link zur Webseite von www.onlineschutz.org

    Onlineschutz.org ist ein nicht kommerzielles Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Computerlaien das Thema Internet-Sicherheit näher zu bringen und ihm bei Problemen zu helfen.

  • Link zur Webseite von www.sicher-im-netz.de

    Der Verein 'Deutschland sicher im Netz e.V.' versorgt Verbraucher mit Informationen zu sicherheits- relevanten Themen und bietet direkte Schutzmaßnahmen an.