Selbst ernannte Therapeuten

Therapeuten und ihre KompetenzDas Berufsbild des „alternativen Lebensberaters“ ist nicht nur umstritten, sondern auch ziemlich unklar. Worauf beruht eigentlich die Kompetenz jener Ratgeber, die sich ihre Wahrsagungen für viel Geld bezahlen lassen? In der Regel sind es recht fragwürdige Selbstaussagen oder Zertifikate, die man ohne große Mühen erwerben kann.

Ernennung durch höhere Mächte

Wahrsager, Hellseher oder sogenannte „Medien“ (Menschen, die angebliche Verbindungen zum „Übersinnlichen“ besitzen) benutzen fast immer dasselbe Schema, um ihre Kompetenz als Zukunftsseher und Lebensberater unter Beweis zu stellen. Die Formulierungen ähneln sich:

„Schon seit ihrer Kindheit verblüfft sie ihr Umfeld mit ihrer Gabe…“

„…hatte schon in frühesten Jahren Kontakt zu höheren Mächten.“

Genau betrachtet beinhalten solche Formulierungen aber drei Tatsachen, die einen Ratsuchenden skeptisch machen sollten:

  1. Die Kompetenz eines Beraters hat sich spontan in seiner Kindheit gebildet. Was ihm da angeblich gelungen ist, kann der heutige Klient also in keiner Weise mehr nachprüfen.
  2. Der Berater ist „vom Schicksal erwählt“. Das heißt, er hat keine Ausbildung durchlaufen. Sein Umgang mit Ratsuchenden unterliegt einzig und allein dem eigenen Gutdünken.
  3. Über die Kompetenz bzw. Berufseignung des Beraters hat kein Mensch entschieden.

Ein weiterer Versuch, die eigene Kompetenz zu beweisen, sind positive Klientenfeedbacks, häufig auf Internetseiten der Anbieter veröffentlicht. Allerdings erscheinen diese Zitate so gut wie nie mit vollständigem Vor- und Zunamen und Wohnort der angeblichen Autoren. Dem kritischen Ratsuchenden ist es damit unmöglich, ein solches Klientenfeedback zu verifizieren. Da diese Lobeshymnen oft sehr ähnlich klingen, liegt auch der Verdacht nahe, dass sie vom Anbieter selbst geschrieben worden sind. Als Nachweis für berufliche Kompetenz sind sie jedenfalls äußerst fragwürdig.

Erwerb eines Zertifikates

Neben den höheren Mächten gibt es aber auch irdische Kompetenzquellen. So bieten Ausbildungszentren die Ausbildung zum „Beratenden Astrologen“ bzw. zum „Berufsastrologen“ an.

Im Astro-Kolleg in Schondorf kann man für rund dreitausend Euro ein Fernstudium zum Astroberater durchlaufen. Die 26 „Lektionen“ beinhalten fast ausschließlich astrologische Themen. Hintergrundwissen, das für die beratende Tätigkeit mit Menschen in der Krise notwendig wäre, wie z.B. Psychologie, Gesprächsführung oder psychologische Diagnostik werden so gut wie gar nicht vermittelt. Was die berufliche Vorerfahrung angeht, kann rein theoretisch jeder zum Astroberater werden. Den Ausbildern ist es egal, ob ihre Schüler bisher Bäcker, Außendienstmitarbeiter, Personalberater oder was auch immer waren. Voraussetzung ist lediglich der Einkauf der Studienlektüre und das Interesse an der Astrologie.

Dabei müsste man sich doch fragen, warum es solche Ausbildungen eigentlich gibt. Wenn Hellseher oder Medien eigentlich nur vom Universum ausgewählt werden, warum kann es dann überhaupt einen irdischen Ausbildungsweg für diese Berufsgruppe geben?

Das Astro-Kolleg in Schondorf wird von Winfried Noé und dessen Partner geleitet. Noé wiederum ist Miteigner des marktführenden Astroberater-Unternehmens in Deutschland. Früher konnte man dort ohne jeglichen beruflichen Nachweis einsteigen, seit einigen Jahren ist ein Zertifikat des Astro-Kollegs Voraussetzung. Auf diese Weise muss sich das Kolleg zumindest keine Sorgen um geringen Zulauf machen.

Eine Zertifizierung wird auch vom Deutschen Astrologenverband vorgenommen. Der DAV bietet eine Prüfung an, bei der ein Astroberater seine Beratungspraxis prüfen lässt. Aber auch für diese Prüfung ist keinerlei berufliche Vorbildung im sozialen Bereich Voraussetzung. Und ob ein Astroberater sich dieser DAV-Prüfung stellt, bleibt ihm selbst überlassen. Der DAV selbst schreibt auf seiner Startseite:

"Astrologe" – so darf sich jeder nennen, auch Personen zweifelhafter Arbeitsmethoden. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.  Dass dies zu Missbrauch einlädt, zeigt die Tatsache, dass das Ehrenmitglied des DAV Peter Niehenke, Freiburg, wegen mehrfacher Kinderschändung verurteilt wurde. Wie sich der Verband angesichts dieser Tatsache als seriös bezeichnen kann, entzieht sich jeglichen gesunden Menschenverstands.

Anerkennung durch die Gewerbeaufsicht

Anfang März 2004 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es nicht zulässig sei, aus dem Heilpraktikergesetz ein Tätigkeitsverbot für Geistheiler abzuleiten. Dies verletze deren Grundrecht auf freie Berufsausübung nach Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes. (Quelle Welt-online, 2004)

Damit ist die Tätigkeit von Wahrsagern von höchster Instanz genehmigt. Jedoch gibt es einige Instanzen, die um eine Revision dieser Entscheidung ringen. Verbraucherschützer fordern, dass für die Arbeit mit ratsuchenden Menschen eine angemessene berufliche Qualifikation gesetzliche Pflicht sein sollte. Bis jetzt genügt aber leider auch dem Gesetzgeber ein Hinweis auf die „schon in frühester Kindheit erworbene Gabe“ bzw. einfach die Berufsbezeichnung „Geistheiler“, die gewerblich angemeldet werden kann.

Küchenpsychologie

Astrologen, Kartenleger und andere „alternative Lebensberater“ ziehen zu einem großen Teil dasselbe Klientel an wie Psychologen, Coachs oder Seelsorger. Das Wahrsagen aus Sternenkonstellationen, Kaffeesatz oder Karten steht zwar im Vordergrund, letztendlich suchen die meisten aber vor allem emotionalen Halt und Orientierungshilfe. Soziale Dienstleistungen also, für deren Ausübung andere Berufsgruppen jahrelang studieren müssen. Psychologen und Sozialtherapeuten setzen sich über mehrere Semester praktisch und theoretisch mit Gesprächsführungstechniken, Therapiemethoden und den Risiken des Therapeuten-Patientenverhältnisses auseinander. Die „alternativen Berater“ dagegen müssen

Naturtalente sein, denen die „liebevolle Beratung“ in die Wiege gelegt wurde. Oder eben auch nicht. Eine Reportage der FAZ zeigt eindrücklich, mit welcher emotionalen Kälte manche „Wahrsager“ den Ratsuchenden begegnen. Das Magazin „Der Spiegel“ hat den persönlichen Gewinn durch eine „alternative Lebensberatung“ in treffenden Worten so zusammengefasst:

Im günstigen Fall stimmen die Antworten mit dem so genannten gesunden Menschenerstand überein oder erfüllen auf simple Art eine Coaching-Funktion à la "Wenn du wirklich daran glaubst, wirst du es schaffen".

Wenn Wahrsager erfolgreich sind, dann vor allem durch ihre Fähigkeit, fremden Menschen Zuversicht und Selbstvertrauen zu vermitteln. Aber genau das ist auch die Aufgabe professioneller Berater, die hierzulande für viele Krisensituationen kostenlos zur Verfügung stehen bzw. von der Krankenkasse bezahlt werden.

Der Unterschied zwischen professionellen und alternativen Lebensberatern besteht hauptsächlich daraus, dass der Astrologe die Sterne befragt, während der Klient eines Psychologen sich selbst befragen lässt. Astrologen vermitteln die Illusion, dass man einer solchen Auseinandersetzung mit sich selbst entgehen kann. Und genau damit verdienen sie eine Menge Geld.

Links:
Recherche über ein alternatives Berater-Ehepaar im Bayerischen Wald auf FAZ-online

Links zum Thema Web-Sicherheit

  • Link zur Webseite von www.buerger-cert.de

    Das Bürger-CERT informiert und warnt Bürger schnell und kompetent vor Viren, Würmern und Sicherheitslücken in Computer- anwendungen.

  • Link zur Webseite von www.onlineschutz.org

    Onlineschutz.org ist ein nicht kommerzielles Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Computerlaien das Thema Internet-Sicherheit näher zu bringen und ihm bei Problemen zu helfen.

  • Link zur Webseite von www.sicher-im-netz.de

    Der Verein 'Deutschland sicher im Netz e.V.' versorgt Verbraucher mit Informationen zu sicherheits- relevanten Themen und bietet direkte Schutzmaßnahmen an.