Psychoterror mit Abofallen

Kostenlose Anmeldungen im Internet sind für viele User so üblich, dass Sie schon routinemäßig Namen, Adresse und Passwort eingeben, um einen Service zu nutzen, der ganz speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Doch Vorsicht ist geboten: Manchmal lauert hinter einem scheinbaren Gratis-Angebot eine fiese Abzocke.

Ein Beispiel

AbofalleSie erwarten Gäste und suchen nach einem besonders leckeren Rezept im Internet. Dabei landen Sie auf einem Portal, das besonders attraktiv aufgemacht ist. Bevor Sie in die Rezeptesammlung Einblick erhalten, bittet man Sie, sich zu registrieren. Das tun Sie, danach eröffnet sich Ihnen ein mageres oder gar kein Angebot, irritiert gehen Sie auf eine andere Seite, Minuten später haben Sie die Sache bereits vergessen. Umso erstaunter sind Sie, wenn Ihnen zwei Wochen später eine Mahnung geschickt wird, die Sie daran erinnert, Ihren Jahresbeitrag für die Nutzung einer Rezeptesammlung zu entrichten. Man fordert schlappe hundert Euro. Auf Ihre irritierte Anfrage oder Beschwerde erhalten Sie umgehend eine sehr strenge Antwort, sich bitte an den Vertrag zu halten. Erst jetzt erinnern Sie sich an jene nutzlose Seite und daran, dass Sie bei der Anmeldung das übliche Häkchen bei den AGB gemacht haben, ohne diese zu lesen.
Doch hier im Kleingedruckten war der Abonnementvertrag verborgen, dem Sie mit Ihrem Häkchen zugestimmt haben. Von nun an erhalten Sie in massiver Form Mahnungen, Drohungen und Briefe von Inkassofirmen. Nicht wenige Opfer solcher Abofallen entziehen sich diesem Druck schließlich, indem sie bezahlen. Auch wenn sie genau wissen, dass sie dafür nichts bekommen außer die normale Ruhe in e.mail-Postfach und Briefkasten.

Das Vorgehen der Betrüger

Die Betreiber solcher Seiten bewegen sich in erster Linie auf dem Bereich der kostenlosen Service-Angebote, die im Internet üblich sind. Häufig ähneln die Seiten auch den vergleichbaren Portalen. Auch auf wirklich kostenlosen Serviceportalen muss man sich häufig zunächst registrieren, auch hier muss man seine Zustimmung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen geben. Der entscheidende Unterschied ist, dass sich bei der Abofalle in diesen AGB die Angaben über Kostenpflicht und Höhe des Monats- bzw. Jahresbeitrages befinden.

Hat man die Registrierung abgeschlossen, können die Betrüger loslegen. In der Regel nach Ablauf von zwei Wochen hagelt es Mahnungen per e.mail, deren Ton mit jedem Mal schärfer und drohender wird. Immer wieder wird daran erinnert, dass ein Vertrag verbindlich ist, dass man das Widerrufsrecht verstreichen ließ, und dass man mit hohen Anwalts- bzw. Inkassogebühren rechnen muss, falls man seiner Zahlungspflicht nicht nachkommt. Die nachfolgende Briefpost kommt scheinbar direkt aus dem Inkassobüro. Ob es sich dabei um ein echtes oder vorgetäuschtes Inkassobüro handelt, spielt eigentlich keine Rolle. Zur Methode gehören weiterhin kostenpflichtige Rufnummern, an denen die Betrüger ebenfalls verdienen. Wer die Sache telefonisch klären möchte, landet in einer teuren Warteschleife und verliert Minute um Minute Geld, natürlich ohne, dass es jemals zu einem Direktkontakt kommt.

Ein ziemlich gemeiner Trick besteht auch darin, Internetseiten so zu gestalten, dass beim Erstkontakt der Hinweis auf die Kostenpflicht fehlt. Sobald man sich registriert hat, wird jedoch unter derselben URL eine Startseite aufgerufen, die eine sehr deutliche Anzeige über die Kostenpflicht hat. Auf diese Art und Weise wird der User bewusst irre geführt, damit er an „seine eigene Dummheit“ glaubt.

Bei folgenden Service-Bereichen sollte man besonders vorsichtig sein, da hier einige Abofallen lauern:

  • Rezeptsammlungen
  • Songtexte
  • Routenplaner
  • Grußkarten
  • Online-Spiele
  • Gesundheitsratgeber
  • Horoskope
  • Gedichtsammlungen
  • Software-Downloads

Auf folgender Seite finden Sie eine umfangreiche Liste mit Abo-Fallen im Internet
http://www.recht-frech.de/abofallen-liste/

Richtiges Verhalten: Gar nichts tun!

Rechtsexperten und Verbraucherschützer bestärken Betroffene darin, standhaft zu bleiben. Auch wenn die Drohungen der Abzocker noch so massiv daher kommen, zahlen Sie nicht!
Die Angabe von einer Zahlungspflicht im Kleingedruckten ist nicht verbindlich. Vor Gericht würde ein solcher Anbieter niemals mit seiner Forderung durchkommen. Das wissen die Betrüger natürlich. Sie werden ihre Drohungen also niemals wahrmachen.

Allenfalls wird geraten, der ersten Mahnung schriftlich (per e.mail genügt) zu widersprechen. Auf weitere Reaktionen sollten Sie jedoch verzichten. Solange Sie widersprechen, können die Betrüger berechtigte Hoffnung haben, dass Sie, wenn sie am Ende ihrer Nerven sind, doch noch zahlen. Deshalb werden sie auf jeden Widerspruch nur noch mehr Drohungen schicken.

Handlungsbedarf entsteht erst, wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid erhalten, dem innerhalb von 14 Tagen widersprochen werden muss.

Die üblichen Drohungen und warum man sie nichts ernst nehmen muss

Die Drohungen aus der Abofalle klingen oftmals so erdrückend, dass juristische Laien sich dem Zwang beugen. In Wirklichkeit lässt sich aber jede einzelne entkräften.

Wir haben Ihre IP-Adresse gespeichert!

Das klingt beängstigend, heißt aber gar nichts. Die IP-Adresse wird vom Provider Ihres e.mail-Accounts vergeben. Und der wird sich hüten, für ein windiges Unternehmen irgendwelche relevanten Daten herauszurücken. Wenn Sie bei Ihrer Anmeldung zur Sicherheit lauter falsche Angaben gemacht haben, müssen Sie also nicht befürchten, dass über Ihre IP-Adresse nun die wirklichen Kontakt- oder gar Bankdaten in falsche Hände kommen.

Mahnungen vom Inkasso-Büro sind juristisch bindend!

Sind sie nicht. Inkasso-Unternehmen haben die Aufgabe, den Forderungen ihrer Klienten Nachruck zu verleihen. Im Konfliktfall können sie einen gerichtlichen Mahnbescheid erwirken. Aber all das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Forderung, die ein Inkasso-Unternehmen vertritt, wirklich berechtigt ist. Bei Abofallen ist zudem zweifelhaft, ob das Inkasso-Unternehmen, von dem Sie Post bekommen, ein amtlich registriertes Büro ist.

Sie werden bald einen gerichtlichen Mahnbescheid erhalten und müssen dann die Forderung und die Gerichtskosten zahlen!

Müssen Sie nicht. Sollten Sie wirklich einen Mahnbescheid bekommen, können Sie diesem innerhalb von 14 Tagen widersprechen. Das müssen Sie auch, denn erst durch Ihren Widerspruch kommt es zu einer juristischen Prüfung der Forderung. Doch so weit lassen es die „Betreiber“ von Abo-Fallen in der Regel nicht kommen. Schließlich haben sie allen Grund, sich vor einer solchen Prüfung zu hüten.

Ein Inkasso-Büro kann für einen negativen Schufa-Eintrag sorgen!

Kann es nicht, so lange Sie der Forderung bzw. dem Mahnbescheid widersprochen haben. Dann müsste der Betreiber der Abo-Falle erst einmal den Gegenbeweis antreten.

Es wird mit einer Pfändung gedroht!

Inkasso-Mitarbeiter haben kein Recht, Ihre Wohnung zu betreten. Das darf erst der Gerichtsvollzieher und so weit wird es nicht kommen.

FAZIT:

Sollten Sie in eine Abofalle geraten sein, reagieren Sie nach einem ersten Widerspruch einfach gar nicht. Einziger dringender Handlungsbedarf: Hat die Firma tatsächlich einen Mahnbescheid erwirkt, widersprechen Sie diesem innerhalb von 14 Tagen.

Besondere Falle: Partnerbörse

Mit dem Wunsch nach einer glücklichen Partnerschaft wird im Internet eine Menge Geld verdient. Manche Datingportale erweisen sich dabei vor allem als raffiniert, wenn es um die Anbahnung verbindlicher Kundenbeziehungen geht. Einige Tricks sind schon fast so gemein wie echte Abofallen. Mit der Möglichkeit eines kostenlosen Testabo werden Interessenten unversehens in einen teuren Abonnentenvertrag geschleust.
Hier die Tricks:

  • Ein kostenloses Testabonnement wird nach einer gewissen Zeit (in der Regel zwei Wochen) automatisch in einen Abonnentenvertrag umgewandelt. Wer die rechtzeitige Kündigung verpasst, steckt im Jahresvertrag fest. Das Widerrufsrecht kann man sich im Handumdrehen verwirken. Man braucht den Service nur ansatzweise nutzen.
  • Über ein kostenloses Testabonnement können Sie nur einen Teil des Service-Angebotes nutzen. Sobald es interessant wird, springt Ihnen der Anmeldebutton für das feste Abonnement entgegen.
  • Im Testbereich finden Sie Partner mit traumhaften matchpoints (Niveau der Gemeinsamkeiten), die sich bereits mit Ihnen verabreden wollen. Eine Antwort ist jedoch nur richtigen Abonnenten möglich. Haben sie dem Abovertrag schließlich zugestimmt, sind die enthusiastischen Nachrichten Ihrer Traumpartner verschwunden oder erweisen sich als leere e.mails.
  • Kündigungen werden nur in schriftlicher Form akzeptiert. Bei normaler Post wird dann gern der Empfang bestritten. Eine Sendung per Einschreiben ist also erforderlich.

Sonderfall: Abo-Verträge Minderjähriger

Hat ein Minderjähriger ohne Einwilligung seiner Eltern im Internet einem Abo-Vertrag zugestimmt, ist dieser nicht bindend. Eltern sind also nicht verpflichtet zu zahlen, wenn Sohn oder Tochter leichtfertig ein Häkchen an der falschen Stelle gesetzt haben.

Wie Sie sich vor Abofallen schützen

  • Ist ein Angebot wirklich kostenlos, wird es damit werben. Sollten Sie ein Service-Portal jedoch nur aus Erfahrung für kostenlos halten, suchen Sie unbedingt nach einem entsprechenden Hinweis. Spätestens wenn Sie gebeten werden, sich zu registrieren, prüfen Sie genau, ob nicht irgendwo eine Kostenangabe versteckt ist.
  • Wirbt ein Angebot deutlich mit der Angabe „kostenlos“, muss geprüft werden, ob dieses Gratisangebot auch dauerhaft gilt. In vielen Fällen ist es nur eine niedrige Schwelle, um Kunden in einen teuren Abovertrag zu locken. Insbesondere wenn die Nutzung mit einer Registrierung verbunden ist, informieren Sie sich genau über die Konditionen.

Links zum Thema Web-Sicherheit

  • Link zur Webseite von www.buerger-cert.de

    Das Bürger-CERT informiert und warnt Bürger schnell und kompetent vor Viren, Würmern und Sicherheitslücken in Computer- anwendungen.

  • Link zur Webseite von www.onlineschutz.org

    Onlineschutz.org ist ein nicht kommerzielles Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Computerlaien das Thema Internet-Sicherheit näher zu bringen und ihm bei Problemen zu helfen.

  • Link zur Webseite von www.sicher-im-netz.de

    Der Verein 'Deutschland sicher im Netz e.V.' versorgt Verbraucher mit Informationen zu sicherheits- relevanten Themen und bietet direkte Schutzmaßnahmen an.