Gewinnspiele, bei denen man nur verlieren kann

Computer Viren Gewinnspiele waren schon immer eine beliebte Betrugsfalle. Man denke nur an die Hütchenspieler am Straßenrand, die leichtsinnigen Passanten vor aller Augen das Geld aus der Tasche zogen. Der Glaube, man könne mit Nichtstun und Glück sein Geld vermehren, lässt die miesesten Tricks funktionieren. Und warum sollte es im Internet anders als auf der Straße sein?

„Glückwunsch, Sie haben gewonnen“

Es ist eigentlich erstaunlich, wie oft man solchen Nachrichten selbst auf vermeintlich hochseriösen Seiten plötzlichen begegnet. Und das, obwohl man doch vorher weder ein Los gekauft noch irgendein Teilnahmeformular ausgefüllt hat. Wer dennoch glaubt, er bekäme jetzt etwas geschenkt, ist schlichtweg naiv. Doch noch immer gibt es viel zu viele User, die der Verlockung folgen und damit in die verstrickten Netze von Abzockern und Scharlatanen geraten. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele, was alles hinter einem solchen Versprechen stecken kann.

Einer von 25.000

Im ersten Moment lässt man den Leser glauben, er habe eine große Geldsumme, zum Beispiel 25.000 € gewonnen. Geht der User dieser Sache nach, erfährt er, dass es sich um die gesamte Gewinnausschüttung handelt, die durch alle Mitspieler geteilt wird. Dann wird behauptet, es hätten sich zu viele am Spiel beteiligt und der Einzelgewinn sei nun so gering, etwa ein Euro, dass sich der Bearbeitungsaufwand für die Auszahlung nicht lohne. Auf dem Weg zu dieser Information hat man allerdings mehrere kostenpflichtige Hotlines angerufen, seine Adress- und Kontodaten preisgegeben und in vielen Fällen bereits eine Bearbeitungsgebühr gezahlt. Es ist klar, wer der eigentliche Gewinner ist.

Der kostspielige Reisegewinn

Während der Nutzung eines Reiseportals eröffnet man Ihnen, dass Sie eine Reise gewonnen haben. Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass der Gewinn nur aus einer Hotelunterkunft besteht. Die Anreise müssen Sie selbst bezahlen, später erfahren Sie, dass Sie zusätzlich verpflichtet sind, eine Halbpension mitzubuchen, damit der kostenlose Zimmerpreis gewährt werden kann. Hinzu kommt, dass Sie Ihren Gewinn nur einlösen können, wenn Sie einen Reisepartner mitnehmen, für den natürlich gezahlt werden muss. Tun Sie das nicht, wird Ihnen ein Einzelzimmerzuschlag aufgebrummt, der den normalen Kosten für ein Hotelzimmer entspricht. Außerdem sind Sie verpflichtet, während Ihres Kurzaufenthaltes einen halben Tag auf einem ausführlichen „Informationsevent“ des Anbieters zu verbringen. Im Endeffekt zahlen Sie also jede Menge drauf, um die Marketingaktion eines Reiseveranstalters über sich ergehen zu lassen.
Zu dieser Masche gehört, dass alle unvorteilhaften Informationen immer erst in letzter Minute gegeben werden, also z.B., wenn Sie die vermeintlich kostenlose Zimmerbuchung bereits bestätigt haben. Auf dieselbe Weise kann man auch zu einer nervigen Kaffeefahrt kommen, wobei man sich z.B. im Kleingedruckten dafür verpflichtet hat, etwas zu kaufen.

Das kostenlose Gewinnspiel als Kostenfalle

Spieleseiten im Internet sind in der Regel gebührenpflichtig, umso mehr freuen sich Menschen mit Spielleidenschaft, wenn Ihnen angeboten wird, Sie könnten ganz ohne Einsatz um hohe Gewinne spielen. Die erste Bedingung, die wohl die meisten ohne Wimpernzucken eingehen, ist, dass solche Spiele in der Regel von einer Galerie bunter, nerviger Werbebanner umrahmt ist. Außerdem ist meist eine Registrierung erforderlich, bei der Sie Ihre Daten illegalen Adresshändlern zuspielen. Noch schlimmer kommt es, wenn Sie bei der Zustimmung zu den AGB in eine Abofalle tappen, als unbesehen einer Monats- oder Jahresgebühr zustimmen.
Doch die Gewinnspielabofalle ist oft noch trickreicher als die herkömmliche. Der Betreiber wartet nur darauf, dass die empörten User nach der ersten Mahnung bei ihm anrufen. Am Telefon werden dann Kompromisslösungen vorgeschlagen, für deren Realisierung die Kontodaten erfragt werden. Doch Vorsicht!!!! Kontodaten per Telefon zu übermitteln, ist äußerst riskant, wie das folgende Beispiel zeigt.

Gewinnspielseiten als Fassade für Telefonbetrug

Eine der größten Fälle von Massenbetrug in der Gewinnspielbranche, der in den letzten Jahren aufgedeckt wurde, lief zwar per Telefon, doch die Betrüger manifestierten ihre vermeintliche Glaubwürdigkeit mit gefälschten Seiten im Internet und entlockten über 20.000 Opfern vermeintliche Gewinnspielgebühren in Millionenhöhe.
Angestellte in mehreren Callcentern beschäftigten sich damit, Adresslisten abzutelefonieren, die sie von illegalen Adresshändlern erworben hatten. Dabei handelte es sich überwiegend um veraltete Adresslisten offizieller Gewinnspielgesellschaften. Die Angerufenen gehörten fast ausschließlich zur älteren Generation. Wie diese Listen in die Hände von Betrügern geraten sind, ist eine andere Frage.
Die Callcentermitarbeiter überredeten viele Betrugsopfer dazu, Gebühren für eine Anmeldung bei einem Gewinnspielsystem zu zahlen. Mit Begriffen wie „Easywin“ oder „Dreamwin“ wurde ihnen versprochen, dass eine einzige Gebühr ausreiche, um bei Hunderten von Gewinnspielen gleichzeitig angemeldet zu werden. In Wirklichkeit geschah gar nichts und die vermeintlichen Gebühren flossen in die Kassen der Betrüger.
Da dieselben Betrüger auch mit Abofallen auf ihren Internetseiten arbeiteten, kam es zu Beschwerdetelefonaten, bei denen Kompromisslösungen angeboten wurden. Viele Angerufene ließen sich darauf ein und teilten für die Abwicklung ihre Kontodaten per Telefon mit. Das Audiomaterial aus diesen Telefonaten konnten die Betrüger so verwenden, dass es in einem anderen Zusammenhang wirkte wie eine mündliche Einzugsermächtigung per Telefon.
Der Gesamtschaden wurde vom Landesgericht Essen auf sechs Millionen geschätzt, die Drahtzieher zu Haftstrafen bis zu 3,5 Jahren verurteilt.

Ausführlicher Fallbericht:
http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet11/essen_gewinnspiele/index.jhtml

Strategien zum sicheren Verlieren

Es gibt allerdings auch Tricks, die so ausschließlich über Gutgläubigkeit und Gier funktionieren, dass sie nicht einmal mit dem Gesetz in Konflik geraten. Zumindest bewegen sie sich am Rande der Legalität. Ein schönes Beispiel ist die Legende von der sicheren Gewinnstrategie bei Glücksspielen.
Mit der Autorität vermeintlicher „hochrangiger Mathematiker“ werden auf einschlägigen Internetseiten Spielstrategien vorgestellt, die angeblich das Geheimnis von Roulette oder Black Jack geknackt hätten. Klangvolle Begriffe wie „Double-Cash-Converter“ oder die „Fibonacci-Reihe“ sollen hier für Glaubwürdigkeit sorgen. Die Anweisungen suggerieren dem Spieler zum Beispiel, er könne nur gewinnen, wenn er gleich zu Anfang mehrere hundert Euro einsetzt. Oder er müsse unbedingt mehrere Runden mit Verlust hinnehmen, weil die Gewinnserie erst danach einsetzen kann. Ergo: Die Spielstrategien, die beschrieben werden, sind reiner Unsinn und widersprechen eher den Regeln der Wahrscheinlichkeit als dass sie ihnen folgen.
Internetseiten mit solchen Strategie-Tipps enthalten Links, die direkt auf Online-Casinos führen, und genau diese Buttons enthalten die Gewinnstrategie des Seitenbetreibers. Der bekommt nämlich für die Weiterleitung eines jeden Users eine Provision, die sich erhöht, je mehr Geld dieser auf dem beworbenen Online-Casino verliert.
Da bestätigt sich dann die alte Spielwerweisheit: Gewinner ist, wer die Regeln bestimmt.

Beispiel für eine Casino-Strategie-Seite:
http://www.onlinegamblingpal.com/de/casino-strategie/
Übrigens werden auch gezielt arbeitssuchende Internetuser auf solche Strategieseiten gelockt. Anzeigen wie „Mit leichter Arbeit dreitausend Euro verdienen“, die man häufig auf Online-Jobmärkten findet, führen direkt in die Welt der Gewinnspiele.

Siehe dazu auch den Beitrag „ Betrug mit Job-Angeboten “.

Checkliste: Märchen der Gewinnspielbetrüger

  • Regel Nummer eins: Niemand (außer ihren Verwandten und Freunden) hat irgendein Interesse daran, Ihnen etwas zu schenken. Märchenhafte Gewinne stellen sich in der Regel auch als Märchen heraus.
  • Einsätze, mit denen man sich gleichzeitig an mehreren, gar Hunderten von Gewinnspielen beteiligen kann, gibt es nicht. Jedes Gewinnspiel erfordert von seinen Mitspielern einen eigenen Einsatz. Alle anderen Behauptungen deuten auf Betrug.
  • Gewinnstrategien im Online-Casino gibt es nicht. Glücksspiele funktionieren durch pure Zufälligkeit. Allenfalls wird der Spieler, der sich auf solche Strategien einlässt, für das Casino kontrollierbar und kann schlimmstenfalls mit illegalen Spielmanipulationen in hohe Verluste getrieben werden.

Links zum Thema Web-Sicherheit

  • Link zur Webseite von www.buerger-cert.de

    Das Bürger-CERT informiert und warnt Bürger schnell und kompetent vor Viren, Würmern und Sicherheitslücken in Computer- anwendungen.

  • Link zur Webseite von www.onlineschutz.org

    Onlineschutz.org ist ein nicht kommerzielles Projekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Computerlaien das Thema Internet-Sicherheit näher zu bringen und ihm bei Problemen zu helfen.

  • Link zur Webseite von www.sicher-im-netz.de

    Der Verein 'Deutschland sicher im Netz e.V.' versorgt Verbraucher mit Informationen zu sicherheits- relevanten Themen und bietet direkte Schutzmaßnahmen an.